Sichere Getränke - mehr als eine technische Herausforderung

05.03.2010 | Dortmund
Branche diskutierte beim 12. Fresenius Getränke-Kongress über Produktentwicklung, Herstellung, Verpackung und Verbrauchererwartung

Sicherheit und Qualitätssicherung spielen in der Lebensmittelindustrie eine entscheidende Rolle. Sind sie nicht gewährleistet, drohen wirtschaftliche Einbußen, juristische Konsequenzen und ein nachhaltiger Imageverlust. Die Unternehmen müssen einen gewaltigen Spagat machen: Auf der einen Seite kämpfen sie mit Innovationsdruck in einem anspruchsvollen Wettbewerbsumfeld, auf der anderen Seite müssen sie sich mit technologischen Herausforderungen und gesetzlichen Hürden auseinandersetzen. Der 12. Getränke-Kongress der Akademie Fresenius beschäftigte sich vom 1. bis 2. März mit der Frage, wie unter diesen Rahmenbedingungen sichere Getränke hergestellt werden können.

Sicher und wirtschaftlich: Produktionsprozess optimieren

Die Getränkeindustrie war in den letzten Jahren von einer starken Dynamik gekennzeichnet; im Fokus standen dabei die Effizienz der Abfüllanlagen und die Qualitätsanforderungen an die Produkte. Die steigenden Marktanteile der Discounter haben diese Entwicklung vorangetrieben. "Um bei dem herrschenden Kostendruck noch profitabel produzieren zu können, sind moderne Hochleistungs-Abfüllanlagen notwendig", sagte Manfred Dausch (Dausch Technologies) auf dem Fresenius Getränke-Kongress. Diese Abfüllanlagen produzieren mit hohem Durchsatz, sind trotzdem flexibel und dafür ausgelegt, mit wenig Bedienpersonal auszukommen, erklärte der Experte für Prozessanalytik. Die Produktionsanlagen laufen heute oft rund um die Uhr. Die drohende Produkthaftung zwinge laut Dausch die Abfüller, die Qualität ihrer Produkte nicht stichprobenartig, sondern kontinuierlich zu überwachen und zu dokumentieren. Die Prozessanalytik in Kombination mit einer darauf aufbauenden, effizienten Prozessführung seien moderne, für Abfüller unerlässliche Werkzeuge, betonte Dausch. In seinem Vortrag stellte er ein innovatives Prozessanalysensystem vor, das mit spektroskopischen Methoden arbeitet. In den Abfüllprozess integriert, soll es die Produktqualität der Getränke steigern und damit das Risiko eines Imageschadens aufgrund von Endkundenreklamationen reduzieren. Weiterhin sollen damit die Abfüllprozesse effizienter gestaltet werden, um Kosten reduzieren zu können.

Die Macht der Meinung: Information und Erwartung der Konsumenten

Der Druck auf die Getränkehersteller wächst auch durch die Verbrauchererwartungen und das gestiegene öffentliche Interesse am Thema Lebensmittelsicherheit. Vier Megatrends wollen laut Dr. Ulrich Ellinghaus (SGS Institut Fresenius) bedient werden: Gesundheit, ethische Verantwortung, Nachhaltigkeit und Convenience. Die Erwartungen der Kunden seien hoch, die Kenntnisse über die Lebensmittelherstellung und -verarbeitung dagegen gering. "Der Informationsbedarf entsteht nicht nur durch mangelnde Information, sondern auch durch Informationsüberflutung", meint Ellinghaus. Hinzu kämen vage Begrifflichkeiten wie "Chemie", "Massentierhaltung" oder "künstlich", die meinungsbildend wirken können, ohne ausreichend reflektiert zu werden. Eine besondere Rolle spielen dabei NGOs, die Produkte und Märkte immer intensiver beobachten: "Ideologisch motivierte Wertungen, die bei den Verbrauchern Emotionen hervorrufen und sie verunsichern, sind in der Lage, den Markenwert zu vernichten und Umsätze nachhaltig zu beeinflussen", so Ellinghaus. Auf der anderen Seite bieten sich laut Günter Birnbaum (GfK) Chancen für die Getränkeindustrie, wenn sie auf innovative Getränke setzt, die dem Konsumenten einen für ihn nachvollziehbaren Zusatznutzen bieten. Die Bereitschaft des Verbrauchers, einen wahrgenommenen "Mehrwert" zu bezahlen, steige erkennbar an, so der Konsumforscher. Die momentane Marktsituation sei eine große Chance für die auf Mehrwert ausgerichteten Marktteilnehmer, erkennbare Strukturveränderungen zu ihren Gunsten zu nutzen. Birnbaum: "Die "Geiz ist geil"-Periode ist vorbei."

Forschungsanreize der EU werden durch Lebensmittelrecht ausgebremst

Kunden lieben Neues - und das immer schneller: Die Produktlebenszyklen haben sich entsprechend verkürzt, der Innovationsdruck ist entsprechend gestiegen. Dabei bleibt immer weniger Zeit, neue Produkte zu entwickeln. Doch nicht selten werden die Unternehmen gezwungen, sich Zeit zu nehmen, berichtete Andreas Kadi (Red Bull) auf dem Getränke-Kongress der Akademie Fresenius. Besonders in Europa verlaufen Innovationsprozesse mit angezogener Handbremse - das geht aus den Zahlen hervor, die Kadi in Mainz am Beispiel des Lebensmittels Becel mit neuen Auslobungen vorstellte: Die Zeit von der Antragstellung bis zur Zulassung variierte von einem Tag (Südafrika), über drei Monate (USA), 18 Monate (Japan) bis zu 31 Monaten (Europäische Union). "Die Forschungsanreize durch EU-Programme stehen im Widerspruch zu den Forschungsbremsen des Lebensmittelrechts", kommentierte Kadi. Die Anzahl und Komplexität der zu beachtenden Vorschriften sei in den letzten 20 Jahren signifikant gestiegen, ebenso der Ressourcenbedarf für die Einführung neuer Produkte. Das derzeitige Umfeld begünstige große Firmen mit entsprechenden Ressourcen, die Durchsetzung des freien Warenverkehrs sei nach wie vor schwierig und langwierig.

Quelle: Pressemeldung Die Akademie Fresenius GmbH

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