Preissenkungsoffensive im Lebensmittelhandel gefährdet Ernährungsindustrie

07.11.2008 | Berlin
Die massiven Preissenkungen des Lebensmitteleinzelhandels in dieser Woche stehen nicht im richtigen Verhältnis zu den realen Entwicklungen im Lebensmittelmarkt.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie befürchtet, dass die Hersteller von Lebensmitteln für die Angst des Handels vor einer Konsumflaute ihren Kopf hinhalten müssen. Zwar ist es richtig, dass die Preise einzelner Rohstoffe der Lebensmittelindustrie in den letzten Wochen zurückgegangen sind. Allerdings sind z.B. Energie- und Verpackungskosten bisher noch nicht gesunken. Die jetzt auf breiter Front eingeläutete Preissenkungsrunde geht deshalb über die durch Rohstoffpreissenkungen eröffneten Spielräume hinaus. Die Lebensmittelhersteller sehen sich in den Verhandlungen mit dem Lebensmittelhandel mehr denn je mit Preiserwartungen und Forderungen nach Rabatten konfrontiert, die die Substanz ihrer Unternehmen angreifen.

Die Ernährungsindustrie leidet seit Jahren unter dem ruinösen Wettbewerb, der im Lebensmitteleinzelhandel stattfindet. Die immer weiter zunehmende Konzentration auf wenige Anbieter (TOP-5-Händler machen mehr als 70% des Lebensmittelumsatzes) und die steigenden Marktanteile der Discounter (ca. 43%) haben in den vergangenen Jahren für die Verbraucher zu extrem niedrigen Lebensmittelpreisen geführt. Auch 2007 hatte Deutschland eines der niedrigsten Preisniveaus für Lebensmittel in der EU-15. Damit ist klar, dass die vorwiegend mittelständischen Unternehmen am unteren Limit arbeiten. Die Ertragssituation ist schon heute unbefriedigend und hat somit negative Auswirkungen auf das Investitions- und Innovationsverhalten der Unternehmen. Es kann gerade in der gegenwärtigen konjunkturellen Lage nicht im Interesse der deutschen Volkswirtschaft sein, Arbeitsplätze in der stark vom Inlandskonsum abhängigen Ernährungsindustrie zu gefährden.

Die BVE fordert die Entscheidungsträger im Handel daher auf, zu einem vernünftigen Wettbewerbsverhalten zurückzukehren. Lebensmittel sind nicht geeignet für den Preisverhau. Lebensmittel müssen tagtäglich höchste Ansprüche der Konsumenten erfüllen – ohne angemessene Preise für Erzeuger und Verarbeiter ist dies dauerhaft nicht möglich.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie vertritt die Interessen der 5.800 Betriebe der Ernährungsindustrie, in denen 530.000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Rund 75% der Betriebe beschäftigen weniger als 100 Mitarbeiter.

Quelle: Pressemeldung Bundesverband Ernährung

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