Offensichtlich großer Bio-Eierbetrug in NRW aufgedeckt

16.06.2009 | Velbert/Gerlingen
Bio-Hühnerpark in Velbert scheint EU-Ökovorgaben zu missachten

Am Montagabend berichtete das WDR- Wirtschaftsmagazin "markt" über den wohl mutmaßlich größten bislang bekannt gewordenen Bio-Eierbetrug in NRW. Im Mittelpunkt stand der sog. Bio-Hühnerpark in Velbert. Die Inhaber Richard Hennenberg (u. a. Gesellschafter der Heidegold GmbH) und sein Sohn Andreas (u. a. im Aufsichtsrat der Volksbank Sprockhövel) haben sich scheinbar von Beginn an nicht an die gesetzlich verbindlichen EU-Ökovorgaben gehalten.

Der etwa 105 x 22 Meter messende Biostall ist der größte seiner Art in NRW. Er ist für bis zu 22.900 Tiere ausgelegt. Derzeit sind knapp über 20.000 genehmigt. Als bekannt wurde, dass weitere Objekte dieser Art im Ort geplant wurden, gründete sich eine Bürgerinitiative (BI). Gemeinsam mit PETA Deutschland e. V. deckte die BI ihrer Meinung nach etliche Verstöße gegen geltendes EU-Recht auf. Neben "kleineren Delikten" wie der fehlenden Umzäunung der Weidefläche, der unzureichenden Trennung der einzelnen Hühnerherden, den fehlenden Tränken und Unterständen, dem nicht ausreichenden Schutz vor Beutegreifern und den augenscheinlich viel zu geringen Auslaufzeiten, waren die vorgegebene Nutzung des für diesen Zweck nicht zugelassenen Waldes sowie die zu geringen Auslaufflächen die größten Vergehen. Von Oktober 2008 bis Mitte Mai 2009 beobachtete die BI nur wenige hundert Tiere für gerade einmal sieben Tage in den Ausläufen, die statt der erforderlichen 80.000 qm nur knapp 2.000 qm maßen.

Die Hennenbergs produzieren Bio-Eier nach EU-Vorgaben - zumindest auf dem Papier. Außerdem sind sie Biopark- und KAT-zertifiziert (KAT = Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e. V.). Doch da keine dieser Prüfinstanzen gewissenhafte Kontrollen durchführte, wurden in Velbert monatelang "Bio-Eier" in Umlauf gebracht, die so gesehen nicht Bio waren. "Es kann nicht sein, dass Privatpersonen und Tierrechtsvereine die Arbeit der Prüfstellen übernehmen und Missstände aufdecken müssen, die so offensichtlich sind, dass sie jeder Laie erkennen kann", so Stefan Bröckling von PETA.

Die BI wandte sich bereits vor Monaten an KAT, Biopark und die Landwirtschaftskammer NRW - ergebnisorientierte Reaktionen erfolgten jedoch nicht. Erst Mitte Mai konnte eine Prüfung durch KAT initiiert werden, die bezüglich der Auslaufflächen schwere Versäumnisse feststellte. Statt dem Betrieb das KAT-Siegel wegen Verbrauchertäuschung zu entziehen, wurden nur Nachbesserungen gefordert. Unter anderem solle der Wald als adäquate Weidefläche hergerichtet werden. Dass die Freigabe durch das zuständige Forstamt nicht vorliegt, war den KAT-Prüfern nicht bekannt - auf diesen Umstand wies letztlich der WDR die Prüfer hin. So verbleiben von den erforderlichen acht Hektar Auslauf nach hiesigen Berechnungen maximal 1,5 Hektar, die Platz für nur 3.750 Hennen bieten. Trotzdem ist der Stall erst vor wenigen Wochen wieder neu belegt worden - wie PETA vermutet, mit einem Tierbestand von über 20.000 Hennen. PETA Deutschland e.V. bereitet eine Anzeige gegen die Fa. Hennenberg wegen des Verdachts des Betruges vor.

Quelle: Pressemeldung PETA Deutschland e.V.

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