Grüne Pfannkuchen, Schinken und Korinthenstuten
"Am Gründonnerstag kommt Grünes auf den Tisch" - diese Regel war früher in ganz Westfalen bekannt. Wie in Rheine (Kreis Steinfurt) oder im sauerländischen Volmarstein so aß man vielerorts Kopfsalat, Spinat oder am liebsten die neu ausgetrieben Sprossen des Grünkohls als sogenannten "Sprossenkohl". Falls es noch zu kalt war und weder Grünkohl noch Spinat zu haben waren, gab es die im vorangegangenen Herbst eingemachten grünen Bohnen. "Nach Möglichkeit sollte es am Gründonnerstag aber schon das frische, junge Grün sein, welches man auf vielfache Art verarbeitete", weiß Christiane Cantauw, Geschäftsführerin der Volkskundlichen Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).
Den Berichten aus dem Archiv für westfälische Volkskunde zufolge wurden um die Mitte des 20. Jahrhunderts Kopfsalat, Kresse, Löwenzahn, Spinat, junge Nesselblätter oder auch Bärlauch gegessen. Auch sogenannte 'grüne Pfannkuchen', also Pfannkuchen mit Schnittlauch waren als Gründonnerstagsspeise sehr beliebt, wie aus Berichten aus Lüdenscheid (Märkischer Kreis) und Versmold (Kreis Gütersloh) hervor geht.
"Warum man am Gründonnerstag meinte, unbedingt etwas Grünes essen zu müssen, ist nicht überliefert. Mit der Bezeichnung dieses Tages haben die Speisesitten jedenfalls nichts zu tun. Sie geht nämlich auf das Wort 'greinen" zurück, was so viel wie klagen oder weinen bedeutet. Vielleicht wirkt hier die Vorstellung nach, dass den ersten frischen Kräutern des Jahres besondere Kräfte zu eigen seien. Teilweise mag es auch einfach das Bedürfnis gewesen sein, den durch die Fastgebote reduzierten Speisezettel ein wenig aufzupeppen, was zu dieser Sitte geführt hat", mutmaßt Cantauw.
Offenbar waren die grünen Speisen am Gründonnerstag auch weiter verbreitet als die Karfreitagsstruwen, die bis heute nur im Münsterland bekannt sind. Dieses in Öl ausgebackene, pfannkuchenartige Hefegebäck, das heiß aus der Pfanne mit Apfel- oder Pflaumenmus verzehrt wird, gilt im Münsterland als die Karfreitagsspeise schlechthin. "Bis heute ist für viele Münsterländer ein Karfreitag ohne Struwen undenkbar. Angebote von Restaurants, denen zufolge man für einen festen Preis so viele Struwen essen kann, wie man möchte, lohnen sich indes meist nur für den Restaurantbetreiber. Ich habe jedenfalls im Selbstversuch die Erfahrung gemacht, dass man nicht allzu viele Struwen auf einmal essen kann", so Cantauw.
Am Ostersonntag endet die Fastenzeit. Das hieß, es musste Fleisch auf den Tisch kommen, das man schließlich lange Zeit entbehrt hatte. Wie in Ehringhausen (Kreis Soest), Wettringen (Kreis Steinfurt) oder Ramsdorf (Kreis Borken) bedeutete dies, dass ein Schinken angeschnitten wurde. Andernorts gab es Schweinskopfsülze, Sauerbraten, Kalbsbraten oder auch deftige Pfannkuchen mit viel Schinken und Speck. Zum Frühstück gab es Stuten (Weißbrot), und zum Kaffee aß man feines Rosinen- oder Korinthenbrot, teilweise auch den sogenannten Platenkuchen. Dass die Vorräte in vielen Haushalten nach den Wintermonaten schon sehr zu Neige gingen, verdeutlicht der Spruch: 'Weihnachten backt ein jeder, Ostern wer kann und Pfingsten nur der reiche Mann'.
Selbstverständlich durften zu Ostern auch die Eier nicht fehlen: Gebackene und gekochte Eier aßen die Menschen an den Ostertagen in beliebiger Anzahl. "Da es sonst eher selten Eier gab und diese auch meist abgezählt waren, war das natürlich eine große Versuchung gerade für die Heranwachsenden und jungen Erwachsenen. Da hat so mancher wohl mächtig zugelangt, und weil dem ein oder anderen die hartgekochten Eier auf den Magen schlugen oder zu anderweitigen Verdauungsproblemen führten, muss es teilweise in den Gottesdiensten ganz schön unangenehm gerochen haben", so LWL-Volkskundlerin Chrstiane Cantauw
Quelle: Pressemeldung Landschaftsverband Westfalen-Lippe
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