Getränke im Krisenjahr 2009: Nachhaltigkeit als Erfolgsmodell
Das "Krisenjahr 2009" ist in aller Munde. Krise? Welche Krise? Diese ketzerische Frage muss erlaubt sein, denn längst nicht alle sind von der Krise betroffen, manche profitieren sogar von ihr. Wie das Jahr in der Getränke- industrie erfolgreich gestaltet werden kann, darüber diskutierte die Branche beim traditionellen Jahresauftakttreffen, dem Getränkekongress der Akademie Fresenius in Mainz. Vom 27. bis 28. Januar stellten 16 Fachreferenten Marktanalysen, Nachhaltigkeitskonzepte und Kostensenkungsmodelle vor, die den Unternehmen ein zukunftsfähiges Management ermöglichen.
Wer sich auf dem Markt langfristig etablieren will, muss das Konsumentenverhalten analysieren. Generell sieht es für den Bereich der schnell drehenden Konsumgüter in Deutschland gar nicht so schlecht aus: Während die Umsätze im Bereich "Non-Food" (Elektro, Textil, Hartwaren) in den vergangenen zehn Jahren um knapp 15 Prozent auf rund 147 Milliarden Euro sanken, wuchsen die Umsätze im Lebensmittelhandel (inklusive Drogeriemärkte) im selben Zeitraum um rund 20 Prozent und durchbrachen 2008 erstmals die 150-Milliarden-Euro-Grenze. Diese Zahlen präsentierte Günter Birnbaum (GfK) auf der Fresenius-Konferenz.
Wird Geiz wieder geil? - Verbraucherverhalten in der Rezession
Auch wenn die Lebensmittelbranche vergleichsweise gut dasteht, schreitet die Marktpolarisierung voran: Laut Birnbaum haben Handelsmarken/Aldi vor allem zu Lasten der Mitte-Marken zugelegt: Ihr Marktanteil stieg von knapp 22 Prozent (1999) auf rund 37 Prozent (2008). Im selben Zeitraum verloren die "Mitte-Marken" ihre Vormachtstellung auf dem Markt von mehr als 50 Prozent auf 33 Prozent. Die Marktführer konnten ihr Niveau nahezu halten und rangieren bei rund 15 Prozent - Premium-Marken halten etwa den gleichen Marktanteil, der im Vergleich zu 1999 (11,8 Prozent) aber kontinuierlich stieg. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Vertriebswegen alkoholfreier Getränke wider: Hier konnten die Discounter ihren Anteil an der Einkaufs- menge in den vergangenen fünf Jahren von 35 auf knapp 55 Prozent steigern. "In rezessiven Phasen gewinnen die Handelsmarken, während Premium-Marken und Marktführer eher stagnieren. Zugleich senken diese auch die Werbeausgaben, während Handelsmarken und insbesondere Discounter die Werbeausgaben erhöhen; dies könnte Anteilsveränderungen mit beein- flussen", sagte Birnbaum. Eine Rezession trifft Marken jedoch sehr unter- schiedlich, je nachdem, in welchen Branchen, welcher Marktstellung und welchem Verbrauchersegment sie sich bewegen.
Premium-Limonaden: Erfolg durch Mega-Trends
Limonaden stoßen bei den Verbrauchern in Westeuropa auf großen Zuspruch, insbesondere in Deutschland, wie Karin Weissenberger (Symrise) auf dem Fresenius-Getränkekongress berichtete: Unter den alkoholfreien Getränken (ohne Wasser) hatten Süßgetränke 2007 einen Anteil von 43 Prozent. Und 39 Prozent des Süßgetränke-Absatzes in Deutschland wurden mit Limonaden erzielt. Weissenberger sieht auch in Zeiten der Rezession gute Absatzchancen für hochpreisige Limonaden: "Premiumkäufer werden eher nicht billigere Produkte kaufen. Gespart wird in anderen Kategorien, die emotional weniger wichtig sind." Zwar werde das Wachstum schwächer, da in einer Rezession "Trading-Ups" seltener vorkämen.
Mega-Trends wie Gesundheit, Natürlichkeit, Genuss und Convenience bestimmen unabhängig von wirtschaftlichen Zwischentiefs die Verbrauchererwartungen. Laut Weissenberger bestehen für Premium-Limonade zusätzliche Marktpotenziale, wenn die Produkte "wie hausgemacht" sind und ein "gutes Gewissen" hervorrufen. Ein erhöhter Saftgehalt, natürliche Inhaltsstoffe und Geschmack gehören dabei zu den Kerneigenschaften. Weissenberger stellte in Mainz zwei Produktbeispiele inklusive Verpackungsvarianten vor, die die Kundenwünsche "Gesundheit" und "Hausgemacht" bedienen.
Mit Nachhaltigkeit gewinnen: CSR-Projekte als Vertriebsinstrument
Gesundheit, Natürlichkeit, Nachhaltigkeit: Früher oder später landet man in dieser Assoziationskette bei der Corporate Social Responsibility (CSR). Doch was bedeutet CSR eigentlich und welchen Stellenwert hat sie in der Getränkeindustrie? Diesen Fragen ging Peter Meyer (c.t.b. Werbeagentur) auf der Fresenius-Konferenz nach. Er definierte CSR als Unternehmensführung, bei der ein Unternehmen freiwillig und bewusst Verantwortung für seine Geschäftstätigkeit und das Gemeinwesen übernimmt. Viele denken beim Thema CSR in der Getränkeindustrie zuerst an Krombacher. Die Formel "ein Kasten für einen Quadratmeter Regenwald" sorgte für Aufsehen. Meyer stellte noch weitere CSR-Projekte vor: von einer globalen Ausrichtung ("ein Liter Volvic für zehn Liter Trinkwasser") über regionale Projekte (Jever: "Jede Kiste schützt die Küste") bis hin zu Initiativen für Bolz- und Spielplätze (Bitburger) und Jugend trainiert für Olympia (Bionade).
Für Krombacher hat sich das Engagement offensichtlich gelohnt, wie Meyer vorrechnete: Das Unternehmen wendete für das Regenwaldprojekt als Startinvestition knapp ein Fünftel des 50-Millionen-Euro-Werbeetats auf. Im ersten Halbjahr des Aktionsjahres 2003 stieg der Absatz um 7,4 Prozent gegenüber dem Rekord-Vorjahr, während der Gesamtmarkt ein Minus von fast zehn Prozent verzeichnete. Der Bierproduzent erzielte ein Gesamtjahresplus von 6,3 Prozent bei gleichzeitiger Preiserhöhung. Außerdem wuchs der Marktanteil in den vergangenen fünf Jahren um ein Viertel: Krombacher hat somit Warsteiner die Marktführerschaft abgerungen. Und der Regenwald? Das Gesamtspendenvolumen von 2003 bis 2008 lag laut Meyer bei 3,3 Millionen Euro (pro Kasten etwa vier Cent), mit denen knapp 60 Quadratkilometer Regenwald geschützt wurden.
Checkliste für CSR-Aktionen: Nur durchdachte Konzepte zeigen Wirkung
Meyer stellte auf dem Fresenius-Getränkekongress eine Zehn-Punkte-Liste für erfolgreiche CSR-Aktionen vor. CSR-Maßnahmen müssen offen, transparent und ehrlich durchgeführt werden: "Wer das nicht will oder kann, sollte lieber die Finger von CSR lassen", rät Meyer. Wichtig sei es, möglichst viele passende Partner zu suchen, mehrere Jahre einzuplanen und ein Projekt zu wählen, das thematisch zur Branche und zum Unternehmen passt. Die Wirkung der CSR-Aktion müsse für die Öffentlichkeit ebenso wie für den Verbraucher nachvollziehbar sein. Außerdem gelte es, kommunikative Risiken zu minimieren, die besonders bei aktuellen Themen auftreten könnten. Wenn das Projekt flexibel - das heißt auch regional und je nach Vertriebskanal modular - konzipiert ist, erhöht sich laut Meyer die Chance, Handelspartner zu integrieren. Wirkung könne eine CSR-Aktion nur entfalten, wenn sie in die gesamte Kommunikation des Unternehmens integriert werde. Dabei sei der "faktische Wert" des Engagements nicht so wichtig, wohl aber die Entwicklung einer glaubwürdigen Kausalkette. Meyer warnte davor, Kampagnen von Konkurrenten zu kopieren oder nach einer schnellen, einfachen Lösung zu suchen: "CSR kann für die Getränkeindustrie ein sehr mächtiges Werkzeug sein, aber ohne ein durchdachtes Konzept ist es verdammt gefährlich", so sein Fazit.
Quelle: Pressemeldung Die Akademie Fresenius GmbH
Dieser Beitrag wurde bisher 83 mal gelesen.
(Rang 419 auf fit-ernaehren.de)
Weitere News
Lebensmittelkontrollen: Aigner muss das Heft in die Hand nehmen
23.11.2011 | vzbv fordert Ende der Kleinstaaterei
weiter in Lebensmittelkontrollen: Aigner muss ...Warnung vor französischer Oliven- und Tomatenpaste
09.09.2011 | In Frankreich sind mehrere Personen an Botulismus erkrankt
weiter in Warnung vor französischer Oliven- ...Manchmal mehr Schwein als Geflügel
306 mal gelesen. Rang 5 auf fit-ernaehren.de.
15.06.2011 | Bei jeder vierten Geflügelwurst steht "Geflügel", "Pute" oder "Truthahn" auf dem Etikett, tatsächlich ist aber...
weiter in Manchmal mehr Schwein als Geflügel ...Tee-Genuss "made in Afrika": Mit Kenia-Tee die Sinne auf die Reise schicken
28.04.2011 | Weiße Strände und schneebedeckte Gipfel, rote Elefanten und Schwarzer Tee. es ist seine Vielfalt, die Kenia zu...
weiter in Tee-Genuss "made in Afrika": Mit ...Cremig. Cremiger. Cremio!
31.03.2011 | Latte Macchiato, Milchkaffee oder Cappuccino sind ohne Milchschaum undenkbar. Längst hat der cremige, weiße...
weiter in Cremig. Cremiger. Cremio! ...Aktuelles
Lebensmittelkontrollen: Aigner muss das Heft in die Hand nehmen
vzbv fordert Ende der Kleinstaaterei
weiter ...Warnung vor französischer Oliven- und Tomatenpaste
In Frankreich sind mehrere Personen an Botulismus erkrankt
weiter ...Neuigkeiten
Nutella- Etikett kann Verbraucher in die Irre führen
Die Vitamin- und Nährwertangaben sind auf dem Nutella-Glas...
weiter ...DFG unterstützt Kongresse und Tagungen
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt im Januar...
weiter ...Weitere Themen
Die Adventszeit mit Tee genießen! Adventskalender mit leckeren Tee- Überraschungen
Bald ist es wieder soweit: Wir zählen die Tage bis...
weiter ...Archiv
Neue blend a dent Super Haftcremes Complete: Jetzt dreimal so gut
Was schon "Super" war, ist seit August nun noch besser: Die...
weiter ...Verschiedenes
LGL: Kongress Gesunde Umwelt - Gesunde Bevölkerung vom 9. bis 11. November 2011 am LGL in München
Zweiter gemeinsamer Kongress des Öffentlichen...
weiter ...Kreativ kochen und Vielseitigkeit genießen
Das neue Zubehör für die Braun Multiquick Stabmixer
weiter ...
