Erster Barmer GEK ZahnreportFrauen und Ostdeutsche häufiger beim Zahnarzt

05.04.2011 | Berlin
Haben Männer Angst vorm Zahnarzt? Oder essen Frauen mehr Süßigkeiten? Der aktuelle Barmer GEK Zahnreport offenbart interessante Geschlechterdifferenzen: Bei der Behandlungsrate, den Kontakten und den Ausgaben im vertragszahnärztlichen Bereich liegen Frauen zumeist vorne.

Der Unterschied beginnt kurz vor dem zehnten Lebensjahr und beträgt bis zu 14 Prozentpunkte. Besonders zahnarztscheu sind junge Männer in der Altersgruppe der 20- bis 25-Jährigen. Nur 55 Prozent dieser Gruppe suchten 2009 einen Zahnarzt auf. Zum Vergleich: Die Behandlungsquote gleichaltriger Frauen lag bei 67 Prozent und in der Gesamtbevölkerung bei 69 Prozent.

Beachtlich ist auch der Ost-West-Unterschied: Während Sachsen und Thüringer auf durchschnittlich 2,4 Zahnarztkontakte pro Jahr und Einwohner kommen, erreichen Rheinland-Pfälzer durchschnittlich 1,9 und Saarländer gar nur 1,8. Bei der Inanspruchnahme von Prophylaxe-Leistungen liegen die neuen Bundesländer gleichfalls vorne. Studienautor Professor Thomas Schäfer vom Hannoveraner Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) erklärt: "Das liegt zum einen an der höheren Zahnarzt-Dichte. Zum anderen spielt auch die frühkindliche Sozialisation in Kindertagesstätten und Horten der ehemaligen DDR eine Rolle."

Hoher Prophylaxe-Anteil bei Jugendlichen

Auf jeden Bundesbürger entfielen im Jahr durchschnittlich 2,15 Zahnarztkontakte. Barmer GEK Vizechef Dr. Rolf-Ulrich Schlenker: "Die zahnärztliche Versorgung kann sich sehen lassen. Wir verfügen über dichte Angebotsstrukturen, hohe Versorgungsstandards und eine echte Präventionskultur. Vor allem die präventive Versorgung von Schulkindern zeigt Erfolge."

Seit 1989 finanzieren die gesetzlichen Krankenversicherungen Gruppen- und Individualprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen. Laut Barmer GEK Zahnreport ist das Präventionsniveau im zahnärztlichen Bereich vergleichsweise hoch: 68,6 Prozent der 6- bis unter 18-Jährigen nahmen 2009 zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch, schon bei den 2- bis 5-Jährigen lag der Anteil bei 31,8 Prozent. Insgesamt erhielten 52 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Jahr Prophylaxe-Leistungen, 47,6 Prozent ließen sich mindestens einmal im Jahr den Zahnstein entfernen. Die so genannten "Check-ups" beziehungsweise der jährliche Stempel im Bonusheft begründet auch, warum die Behandlungsrate im letzten Quartal mit 37 Prozent um rund 10 Prozent höher liegt als in den ersten drei Quartalen (zwischen 26 und 28 Prozent).

Gleichwohl gibt es Verbesserungsmöglichkeiten: "Wenn fast jeder Dritte ohne Zahnarztkontakt bleibt, stellt sich schon die Frage: Ist es individuelle Zahnarztangst oder schrecken die größer werdenden privaten Finanzierungsanteile ab?", gibt Schlenker zu bedenken. Noch ein kritisches Detail: Fast sechs Prozent aller Füllungen entfallen auf Milchzähne. Die Barmer GEK plädiert deshalb dafür, die Gruppenprophylaxe noch weiter auszubauen und die Intensivbetreuung von Vorschulkindern zu forcieren, insbesondere bei Kindern aus sozial schwachen Familien. "Das Herkunftsmilieu darf nicht über die Zahngesundheit bestimmen. Prophylaxe ist auch ein Stück Sozialausgleich."

Bislang musste Versorgungsforschung auf Basis von Krankenkassen-Abrechnungsdaten die zahnärztliche Versorgung aussparen. Der für Auswertungen erforderliche Versichertenbezug ist erst mit den 2009er-Daten möglich geworden. Das ISEG hat nun erstmals für Deutschlands größte Krankenkasse die vertragszahnärztlichen Leistungsdaten analysiert. Weitere Ergebnisse aus dem Report:

  • 28,9 Prozent der Bevölkerung haben im Jahr 2009 mindestens eine Füllung bekommen, litten also unter Karies.
  • Füllungen in der oberen Gebisshälfte sind häufiger als in der unteren. Der Mehraufwand lag bei 16,4 Prozent.
  • Gut 9 Prozent der Bürger wurden mindestens ein Zahn gezogen.
  • Bei den zahnbezogenen Auswertungen fällt der "Problemzahn Nr. 6" auf. Von diesen gibt es vier, in jedem Quadranten einen. Auf die vier 6er entfallen 22,8 Prozent aller Leistungen. Bei Gleichverteilung wären es 12,5 Prozent.



Quelle: Pressemeldung Barmer GEK

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